Reinforcement Learning
Was ist Reinforcement Learning?
Reinforcement Learning (RL) ist ein Lernverfahren, bei dem ein Agent durch Versuch und Irrtum lernt, optimale Entscheidungen zu treffen. Der Agent probiert in seiner Umgebung verschiedene Aktionen aus, erhält dafßr eine Belohnung (Reward) und passt seine Strategie so lange an, bis er langfristig die hÜchste Gesamtbelohnung erzielt.
Im Kontext der Gebäudeautomation heiĂt das: Ein RL-System testet selbstständig Stellbefehle fĂźr HVAC, Beleuchtung, Speicher & Co., bewertet laufend deren Auswirkungen auf Energieverbrauch und Komfort â und verbessert seine Steuerung Schritt fĂźr Schritt ganz ohne manuelle Eingriffe.
Typische Einsatzfelder
Gebäudeautomation
Energie- & COâ-Kosten senken, Komfortband einhalten
HVAC-Fahrpläne, SpitzenlastÂglättung
Energie & Smart Grid
Last verschieben, Speicher steuern
PV-Speicher-Dispatch, Tarifanpassung
Robotik
Geschickte Bewegungen
Greifen, Navigieren, Drohnenflug
Industrie 4.0
Durchsatz erhĂśhen, Ausschuss reduzieren
Dynamische Taktung von FertigungsstraĂen
Games & Simulation
Strategiefindung
AlphaGo, komplexe 3-D-Spiele
Aktuelle Herausforderungen von Reinforcement Learning
Bereits 2018 im viel zitierten Blog-Artikel âDeep Reinforcement Learning Doesnât Work Yetâ (Februar 2018) wird aufgezeigt, wo RL in der Praxis scheitert â und trotz aller Fortschritte sind genau diese HĂźrden bis heute weitgehend ungelĂśst:
Hoher Datenbedarf Viele RL-Algorithmen brauchen Millionen Interaktionen â in realen Anlagen schwer umzusetzen.
Empfindliches Hyperparameter-Tuning Lernrate, Netzarchitektur & Co. sind oft experimentell â kleine Ănderungen entscheiden Ăźber Erfolg oder Misserfolg.
Belohnungsdesign & âReward-Hackingâ Missverständliche Rewards kĂśnnen zu vĂśllig unerwĂźnschten Verhaltensweisen fĂźhren.
Exploration vs. Exploitation & lokale Optima Zu wenig Erkundung endet in suboptimalen, aber leicht erreichbaren LĂśsungen.
Instabilität und Reproduzierbarkeit Gleicher Code, anderer Zufalls-Seed â teils vĂśllig andere Ergebnisse.
Schwache Generalisierung Modelle sind oft auf eine Umgebung trainiert; schon kleine Ănderungen lassen die Leistung einbrechen.
Sicherheits- und Compliance-Fragen Autonome Agenten mĂźssen begrenzt und auditierbar sein, um Risiken in kritischer Infrastruktur zu vermeiden.
Datenknappheit â die grĂśĂte HĂźrde im Smart Building
Als wären Hyperparameter-Tuning, Reward-Design und Instabilität nicht schon Herausforderung genug, trifft Reinforcement Learning im Gebäudebetrieb auf ein zusätzliches Kernproblem: zu wenig Rohdaten. Typische BMS- oder WärmepumpenÂanlagen liefern Messpunkte im 5-Minuten-Takt. Bei einem Schritt pro 5 Minuten summiert sich das in einem Jahr nur auf rund 100 000 Zeitstempel â GrĂśĂenordnungen entfernt von den Millionen Interaktionen, die klassische RL-Algorithmen fĂźr robuste Politiken verlangen.
LÜsungsansätze, um das Datenloch zu fßllen
High-Fidelity Digital Twin
Ein vollÂständiges SimulationsÂmodell des Gebäudes (z. B. EnergyPlus), das bis hin zu WandÂaufbauten, Fensterglas, Belegung und Wetter exakte thermische Antworten liefert. RL sammelt seine Millionen Schritte in der Simulation.
+ Physikalisch fundiert + Keine Live-Risiken â BIM-Erstellung & Kalibrierung aufwendig â Rechenlast fĂźr lange Rollouts
Model-based RL / Weltmodelle
Statt schwerer Physik nutzt man ein lernÂbasiertes Weltmodell, das aus den 100 000 Log-Samples eine differenzierbare Mini-Welt extrahiert. Darin kann der Agent Millionen âgeträumteâ Schritte pro GPU-Minute erleben.
+ Extrem datenÂeffizient (oft < 10 000 reale Schritte bis Nutzen) + Kontinuierliches Online-Finetuning
+ Sofort einsatzbereit wenn auf daten vor trainiert â Model lernt nur bereits erlebte Bereiche der Daten
Offline RL & ImitationsÂlernen
RL lernt ausschlieĂlich aus den vorhandenen Logs (BCQ, CQL âŚ) also lernt diese erst zu Imitieren und von da aus zu verbessern, Ăźberschreibt die Politik aber nie mit Aktionen, die nicht im DatenÂspeicher vorkommen.
+ Kein Twin nĂśtig + Sofort einsatzbereit â Qualität hängt direkt an Log-Diversität
Wie Eliona alle RL-HĂźrden meistert: Weltmodell + Simulationsschritte
Wir verfolgen bei Eliona einen weltbasierten RL-Ansatz: Ein neuronales Weltmodell erlernt aus historischen und Live-Daten die Dynamik des Gebäudes bei bedarf â inklusive Wetter, Belegung oder FensterĂśffnungen. Darauf trainiert ein RL-Agent via Simulation (âTraumschritteâ) seine Steuerungsstrategie, testet tausende Aktionen pro echtem Schritt und lernt so datenÂeffizient, robust und sicher.

Hoher Datenbedarf
Problem: Klassische RL benĂśtigt Millionen Real-Interaktionen â bei 5-Minuten-Takt und ~100 000 Zeitstempeln pro Jahr unerreichbar. LĂśsung:
Ein vortrainiertes Weltmodell absorbiert die 100 000 historischen Samples und generiert daraus eine Mini-Welt, in der der Agent unbegrenzt simulieren kann.
Bereits nach â 2 000 echten Schritten zeigen Tests deutliche Einsparungen.
Offline-Vortraining + Millionen Simulationsschritte ermĂśglichen den Start mit einem direkt einsatzfähigen Modell â ganz ohne Live-Trainingsphase.
Empfindliches Hyperparameter-Tuning
Problem: Lernraten, Netzarchitekturen und Regularisierer erfordern sonst mĂźhsame Grid-Search und ExpertenÂwissen. LĂśsung:
Unser weltbasiertes System wurde auf Dutzenden RL Problemen kalibriert.
Ein robuster Default-Parametersatz liefert sofort reproduzierbare Performance â ganz ohne zusätzliches Tuning.
Belohnungsdesign & âReward-Hackingâ
Problem: Falsch definierte Rewards fĂźhren zu unerwĂźnschten Strategien oder Exploit-Verhalten. LĂśsung:
Nutzer definieren per GUI nur noch Zielbereiche (z. B. 21â23 °C) und Kennzahlen, die minimiert oder maximiert werden sollen (Kosten, COâ, Spitzenlast).
Eliona generiert im Hintergrund eine erprobte, an die AnlagenÂstruktur angepasste Reward-Funktion.
So bleibt der Reward verständlich, sicher und frei von Fehlanreizen.
Exploration vs. Exploitation & lokale Optima
Problem: Zu frĂźhes Ausnutzen bekannter Aktionen blockiert das Finden globaler Optima. LĂśsung:
Breite Erforschung aller Strategien erfolgt risikolos in der Mini-Welt.
In der Realität wird nur die aktuell beste Strategie angewendet.
Langzeittests zeigen stets Konvergenz auf optimale Betriebsweisen statt auf suboptimale Plateaus.
Instabilität und Reproduzierbarkeit
Problem: Modelle, die je nach ZufallsÂseed oder Trainingslauf stark variieren, sind im realen Betrieb unzuverlässig. LĂśsung:
HVAC-Benchmarks dokumentieren einen eng begrenzten Lernhorizont von 1 000â2 000 realen Schritten â unabhängig von Seed.
Resultate sind planbar und ROI-Schätzungen verlässlich.
Schwache Generalisierung
Problem: Modelle, die nur auf Sommer- oder Testdaten trainiert wurden, versagen bei echten BetriebsÂänderungen. LĂśsung:
Kontinuierliches Online-Finetuning: Neu einlaufende 5-Minuten-Daten aktualisieren das Weltmodell und damit die Steuerungsstrategie.
Das System adaptiert binnen weniger Tage an neue Jahreszeiten, Umbauten oder Tarifwechsel.
Sicherheits- und Compliance-Fragen
Problem: Autonome Aktionen ohne KontrollÂmechanismen kĂśnnen Comfort- oder Safety-Grenzen Ăźberschreiten. LĂśsung:
Ăber die integrierte Regelketten-Engine lassen sich harte Komfort- und SicherheitsÂschwellen definieren.
Bei GrenzwertverstĂśĂen oder unerwarteten Aktionen schaltet Eliona selbstständig auf einen bewährten Fallback-Regler um und lĂśst eine AlarmÂeskalation aus.
Dank dieses Ansatzes erzielt Eliona mit RL doppelt-digitige Energie- und Kosteneinsparungen, während Komfort und Sicherheit hĂśchsten AnsprĂźchen genĂźgen â und das ohne jahrelange Datensammlung oder Experten-Feintuning.
Einfache Inbetriebnahme Ăźber die RL-App
Die Konfiguration in Eliona ist bewusst auf Minimalaufwand ausgelegt â ganz ohne Code:
Assets auswählen Wähle im RL-App-Interface die GebäudeÂteile, Anlagen oder Sensor-Gruppen aus, die Feedback liefern sollen (z. B. Raumklimaanlagen, Wärmepumpe, Fensterkontakte).
Regelbare Attribute festlegen Markiere, welche StellgrĂśĂen der Agent beherrschen darf (z. B. VorlaufÂtemperatur, LĂźfterdrehzahl, Drosselklappe).
Zieldefinition ganz einfach Gib je Attribut an, ob es in einem Bereich gehalten (z. B. 21 â 23 °C), minimiert (Kosten, COâ) oder maximiert (COP, EigenverbrauchsÂquote) werden soll â oder ob ein dynamischer oder exakter Sollwert gelten soll.
Starten & Beobachten Das System zieht sich automatisch die letzten historischen Daten, baut das Weltmodell auf und beginnt sofort mit Offline-Training. Im Anschluss kann der Agent jederzeit live geschaltet werden â per Klick.
Ab diesem Punkt lernt er vollautomatisch: Erst offline aus der Historie, dann mit jedem eingehenden Datenpunkt on-the-fly.
Drei praxisbewährte RL-Anwendungen im Gebäudebetrieb
Neueste Studien und Feldversuche belegen, dass Reinforcement Learning bereits heute zweistellige Energieeinsparungen und Komfortgewinne ermĂśglicht â ganz ohne jahrelange Datensammlung. Im Folgenden drei solide Beispiele, in denen RL-Systeme auf reale Gebäude angewandt wurden, inklusive KonfigurationsÂĂźberblick, erzielter Resultate und Quellenhinweisen.
1. BĂźrogebäudeâHVAC: 12 % Energie- & 28 % KomfortÂverbesserung
Szenario & Ziel: Ein mehrstĂśckiges BĂźrogebäude nutzt Deep RL, um den Heizung-, LĂźftungs- und KlimaanlagenÂbetrieb zu optimieren. Ziel ist es, den Energieverbrauch um zweistellige Prozentwerte zu senken und Komfortverletzungen (Temperaturschwankungen auĂerhalb des Zielbereichs) zu minimieren.
RL-App-Konfiguration (Beispiel):
Daten-Inputs: Innentemperatur, AuĂentemperatur, BelegungsÂgrade, FensterÂkontakte, Historische HVAC-AktorenÂsollwerte
Steuerbare Aktoren: VorlaufÂtemperatur, VentilatorÂstufen
Reward-Definition: Temperatur in [21 °C, 23 °C] halten, Energieverbrauch minimieren.
Ergebnis: In der Simulation und im anschlieĂenden Feldtest erzielte das RL-System 12 % weniger EnergieÂÂverbrauch und 28 % geringere Komfortverletzungen im Vergleich zu PID- und Zeitplandatensteuerung ScienceDirect.
2. Hochhaus in Manhattan: 15,8 % weniger HVAC-Energie
Szenario & Ziel: Ein 32-stĂśckiges BĂźrohochhaus in New York City setzt ein kommerzielles, KI-gestĂźtztes RL-System zur Reduktion der Heiz- und KĂźhlkosten ein.
RL-App-Konfiguration (Beispiel):
Daten-Inputs: Gebäude- und ZonenÂtemperaturen, AuĂentemperatur, BelegungsÂdaten, EchtzeitÂtarife
Steuerbare Aktoren: Heiz-/KĂźhlkreisläufe, VentilatorÂsteuerung
Reward-Definition: Minimierung des GesamtÂenergiebezugs, Einhaltung von KomfortÂbändern
Ergebnis: Die KI senkte den HVAC-Energieverbrauch um 15,8 %, sparte jährlich rund 37 t COâ und 42 000 $ Kosten â alles vollautomatisch und ohne Eingriffe seitens des Gebäudemanagements TIME.
3. DFAB House (Empa): Bis zu 30 % EnergieÂeinsparung
Szenario & Ziel: Im Forschungsgebäude DFAB House (Empa, Schweiz) wurde ein RL-Agent trainiert, der Raumtemperatur und bidirektionales E-FahrzeugÂladen gemeinsam optimiert.
RL-App-Konfiguration (Beispiel):
Daten-Inputs: RaumÂtemperatur, AuĂenÂwetterdaten, PV-Erzeugung, EV-SoC, Stromtarif
Steuerbare Aktoren: HeizkĂśrperÂsollwert, LadestationÂleistung
Reward-Definition: Maximierung von Komfort-Score + PV-Eigenverbrauch, Minimierung von NetzÂbezugskosten
Ergebnis: Im realen Drei-Wochen-Feldtest während der Heizperiode erreichte das RL-System bis zu 30 % EnergieÂeinsparung gegenĂźber konventionellen Reglerstrategien, bei gleichbleibendem Komfortniveau arXiv.
Schlussfolgerung:
Diese Szenarien zeigen, dass RL-gestĂźtzte Anwendungen in unterschiedlichsten Gebäudetypen und Betriebsmodi heute einsatzreif sind. Mit einfachen Konfigurationsschritten in der Eliona-RL-App lassen sich mit wenigen Klicks ähnliche Ergebnisse erzielen â von BĂźrokomplexen Ăźber Hochhäuser bis zu intelligenten Forschungsgebäuden.
Last updated
Was this helpful?